
Gregor der Große
Catena Aurea · Johannesevangelium 20
26 Nach acht Tagen waren seine Jünger wieder versammelt und Thomas war bei ihnen. Da kam Jesus bei verschlossenen Türen, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch! 27 Dann sagte er zu Thomas: Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände an und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! 28 Thomas antwortete ihm: Mein Herr und mein Gott! 29 Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du? Selig, die nicht sehen und doch glauben. 30 Noch viele andere Zeichen, die nicht in diesem Buch aufgeschrieben sind, hat Jesus vor seinen Jüngern getan. 31 Diese aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Messias ist, der Sohn Gottes, und damit ihr als Glaubende Leben habt in seinem Namen.
(Hom. xxvi.) Unser Herr gab jenes Fleisch zum Berühren, das Er durch verschlossene Türen eingeführt hatte: worin zwei wunderbare und nach menschlicher Vernunft widersprüchliche Dinge erscheinen, nämlich dass Er nach der Auferstehung einen unverweslichen und doch fühlbaren Leib hatte. Denn was fühlbar ist, muss verweslich sein, und was unverweslich ist, muss unfühlbar sein. Aber Er zeigte sich unverweslich und doch fühlbar, um zu beweisen, dass Sein Leib nach Seiner Auferstehung derselbe in der Natur wie zuvor, aber anders in der Herrlichkeit war.