
Gregor der Große
Catena Aurea · Johannesevangelium 20
19 Als es an jenem ersten Wochentag Abend geworden war und die Jünger dort, wo sie sich befanden, aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! 20 Als er dies gesagt hatte, zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen. 21 Da sagte er noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende auch ich euch. 22 Als er dies gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfangt Heiligen Geist! 23 Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben, und wem ihr sie nicht vergebt, dem bleiben sie unvergeben. 24 Thomas aber, einer von den Zwölf, Zwilling genannt, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. 25 Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht an seinen Händen das Mal der Nägel sehe und meinen Finger in das Mal der Nägel lege und meine Hand in seine Seite lege, glaube ich nicht.
(Hom. xxvi.) Es war kein Zufall, dass jener bestimmte Jünger nicht anwesend war. Die göttliche Barmherzigkeit ordnete an, dass ein zweifelnder Jünger durch das Fühlen der Wunden des Fleisches an seinem Meister in uns die Wunden des Unglaubens heilen sollte. Der Unglaube des Thomas ist für unseren Glauben nützlicher als der Glaube der anderen Jünger; denn die Berührung, durch die er zum Glauben gebracht wird, bestätigt unseren Verstand im Glauben, über jeden Zweifel erhaben.