
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Johannesevangelium 20
10 Dann gingen die Jünger wieder nach Hause. 11 Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Während sie weinte, beugte sie sich in das Grab vor 12 und sah zwei weiß gekleidete Engel dasitzen, einen am Kopfende und einen am Fußende der Stelle, wo der Leichnam Jesu gelegen hatte. 13 Sie sagten zu ihr: Frau, warum weinst du? Sie antwortete ihnen: Weil man meinen Herrn weggenommen hat und ich weiß nicht, wohin man ihn gelegt hat. 14 Nach diesen Worten wandte sie sich um und sah Jesus dastehen, wusste aber nicht, dass es Jesus war. 15 Jesus sagte zu ihr: Frau, warum weinst du? Wen suchst du? Sie meinte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm: Herr, wenn du ihn fortgetragen hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast. Dann werde ich ihn holen. 16 Jesus sagte zu ihr: Maria! Da erkannte sie ihn und sagte auf hebräisch zu ihm: Rabbuni!, das heißt: Meister. 17 Jesus sagte zu ihr: Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Geh aber zu den Brüdern und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und euerem Vater, meinem Gott und euerem Gott. 18 Maria von Magdala ging zu den Jüngern und verkündigte ihnen: Ich habe den Herrn gesehen, und dies habe er ihr gesagt.
(Tr. cxxi) Oder sie wandte zuerst ihren Körper, hielt ihn aber für das, was er nicht war; nun war sie im Herzen gewandt und wusste, wer er war. Doch niemand tadle sie, weil sie den Gärtner Herr und Jesus Meister nannte. Das eine war ein Titel der Höflichkeit gegenüber einer Person, von der sie einen Gefallen erbat; das andere der Achtung gegenüber einem Lehrer, von dem sie gewohnt war zu lernen, das Göttliche vom Menschlichen zu unterscheiden. Das Wort Herr wird in verschiedenen Bedeutungen verwendet, wenn sie sagt: Sie haben meinen Herrn weggenommen, und wenn sie sagt: Herr, wenn du ihn weggetragen hast.