
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Johannesevangelium 2
1 Am dritten Tag fand in Kana in Galiläa eine Hochzeit statt und die Mutter Jesu war dabei. 2 Auch Jesus und seine Jünger waren zur Hochzeit eingeladen. 3 Als der Wein ausging, sagte die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr. 4 Jesus erwiderte ihr: Was willst du von mir, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.
(Tr. viii. c. 9. et seq. sparsim) Oder es war, weil unser Herr als Gott keine Mutter hatte, obwohl Er als Mensch eine hatte, und das Wunder, das Er wirken wollte, war das Werk Seiner Gottheit, nicht menschlicher Schwachheit. Als daher Seine Mutter ein Wunder verlangte, sagte Er, als ob Er eine menschliche Geburt nicht anerkennte, als Er im Begriff war, ein göttliches Werk zu vollbringen: Frau, was habe ich mit dir zu tun? Als ob Er sagte: Du hast das in Mir nicht gezeugt, was das Wunder wirkt, Meine Gottheit. (Sie wird Frau genannt, mit Bezug auf das weibliche Geschlecht, nicht zur Schmälerung ihrer Jungfräulichkeit.) Aber weil du Meine Schwachheit geboren hast, werde Ich dich dann anerkennen, wenn eben diese Schwachheit am Kreuz hängen wird. Und deshalb fügt Er hinzu: Meine Stunde ist noch nicht gekommen: als ob Er sagen wollte: Ich werde dich anerkennen, wenn die Schwachheit, deren Mutter du bist, am Kreuz hängen wird. Er empfahl Seine Mutter dem Jünger, als Er im Begriff war zu sterben und wieder aufzuerstehen, vor ihrem Tod. Aber beachte: So wie die Manichäer in dem Wort unseres Herrn: Was habe ich mit dir zu tun? einen Anlass zum Irrtum und einen Vorwand für ihren Unglauben gefunden haben, so stützen die Astrologen den ihren auf die Worte: Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Denn, sagen sie, wenn Christus nicht unter der Macht des Schicksals gestanden hätte, hätte Er dies nie gesagt. Aber lasst sie glauben, was Gott unten sagt: Ich habe Macht, es (mein Leben) hinzugeben, und Ich habe Macht, es wieder zu nehmen: (Johannes 10:18) und dann lasst sie fragen, warum Er sagt: Meine Stunde ist noch nicht gekommen: und lasst sie nicht auf solcher Grundlage den Schöpfer des Himmels dem Schicksal unterwerfen; da doch, selbst wenn es ein Fatum in den Sternen gäbe, der Schöpfer der Sterne nicht unter der Herrschaft der Sterne stehen könnte. Und nicht nur hatte Christus nichts mit dem Schicksal zu tun, wie ihr es nennt; sondern auch du nicht, oder irgendein anderer Mensch. Warum sagte Er dann: Meine Stunde ist noch nicht gekommen? Weil Er die Macht hatte zu sterben, wann es Ihm gefiel, es aber noch nicht für angebracht hielt, die Macht auszuüben. Er sollte die Jünger berufen, das Himmelreich verkünden, wunderbare Werke tun, Seine Gottheit durch Wunder erweisen, Seine Demut durch Teilhabe an den Leiden unseres sterblichen Zustands. Und als Er all das getan hatte, dann war die Stunde gekommen, nicht des Schicksals, sondern des Willens, nicht der Verpflichtung, sondern der Macht.