
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Johannesevangelium 19
31 Weil Rüsttag war und die Leichname nicht während des Sabbats am Kreuz bleiben sollten -- denn jener Sabbat war ein großer Festtag --, baten die Juden Pilatus, man möge ihnen die Beine zerschlagen und sie dann abnehmen. 32 Die Soldaten kamen und zerschlugen dem einen die Beine und ebenso dem andern, der mit ihm gekreuzigt worden war. 33 Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, dass er schon tot war, zerschlugen sie seine Beine nicht, 34 sondern einer von den Soldaten stieß ihm seine Lanze in die Seite, und sofort kam Blut und Wasser heraus. 35 Und der es gesehen hat, hat es bezeugt, und sein Zeugnis ist wahr; und er weiß, dass er die Wahrheit sagt, damit auch ihr glaubt. 36 Denn das ist geschehen, damit sich das Schriftwort erfüllte: Kein Bein soll an ihm zerbrochen werden. 37 Und eine andere Schriftstelle sagt: Sie werden auf den blicken, den sie durchbohrt haben.
(Tr. cxx.) Der Evangelist hat sich vorsichtig ausgedrückt; nicht geschlagen oder verwundet, sondern seine Seite geöffnet: (ἔνυξε, aperuit V.) wodurch das Tor des Lebens geöffnet wurde, aus dem die Sakramente der Kirche flossen, ohne die wir nicht in jenes Leben eintreten können, das das wahre Leben ist: Und sogleich kam Blut und Wasser heraus. Jenes Blut wurde zur Vergebung der Sünden vergossen, dieses Wasser mildert den Kelch des Heils. Dies war es, was vorgebildet wurde, als Noah befohlen wurde, eine Tür in die Seite der Arche zu machen, durch die die Tiere, die nicht in der Sintflut umkommen sollten, hineingingen; diese Tiere bildeten die Kirche vor. Um dies anzudeuten, wurde die Frau aus der Seite des schlafenden Mannes gemacht; denn dieser zweite Adam neigte sein Haupt und schlief am Kreuz, damit aus dem, was von ihm ausging, eine Frau für ihn gebildet würde. O Tod, durch den die Toten lebendig gemacht werden, was kann reiner sein als jenes Blut, was heilsamer als jene Wunde!