
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Johannesevangelium 19
23 Als die Soldaten Jesus gekreuzigt hatten, nahmen sie seine Kleider und machten vier Teile daraus, für jeden Soldaten einen Teil, dazu kam noch das Untergewand. Es war ohne Naht, von oben an in einem Stück durchgewebt. 24 Da sagten sie zueinander: Wir wollen ihn nicht zerteilen, sondern darum losen, wem er gehören soll. So sollte sich das Schriftwort erfüllen: Sie haben meine Kleider unter sich verteilt und um mein Gewand das Los geworfen. So also machten es die Soldaten.
(Tract. cxviii. 3) Matthäus sagt: „Sie teilten seine Kleider und warfen das Los“ (Mt. 27,35), und meint damit die ganze Aufteilung der Kleider, einschließlich des Untergewands, für das sie losten. Lukas sagt dasselbe: „Sie teilten seine Kleider und warfen das Los“ (Lk. 23,34). Beim Teilen seiner Kleider kamen sie zum Untergewand, für das sie losten. Markus ist der Einzige, der eine Frage aufwirft: „Sie teilten seine Kleider und warfen das Los darüber, was jeder nehmen sollte“ (Mk. 15,24), als ob sie für alle Kleider losten und nicht nur für das Untergewand. Aber es ist seine Kürze, die die Schwierigkeit schafft. „Das Los darüber werfen“: als ob es hieße: das Los werfen, als sie die Kleider teilten. „Was jeder nehmen sollte“: d. h. wer das Untergewand nehmen sollte; als ob das Ganze so stünde: Sie warfen das Los darüber, wer das Untergewand nehmen sollte, das über die gleichen Anteile hinaus übrig blieb, in die die übrigen Kleider geteilt wurden. Die vierfache Teilung des Gewandes unseres Herrn stellt seine Kirche dar, die über die vier Himmelsrichtungen der Erde ausgebreitet und allen gleichmäßig, d. h. in Eintracht, zugeteilt ist. Das Untergewand, für das sie losten, bezeichnet die Einheit aller Teile, die im Band der Liebe enthalten ist. Und wenn die Liebe der vortrefflichere Weg ist, über der Erkenntnis und über allen anderen Geboten, gemäß dem Kolosserbrief: „Vor allem aber habt die Liebe“ (Kol. 3,14), dann wird das Gewand, wodurch dies bezeichnet wird, zu Recht als von oben gewebt bezeichnet. „Durch das Ganze“ wird hinzugefügt, weil niemand davon ausgeschlossen ist, der zu jenem Ganzen gehört, von dem die katholische Kirche ihren Namen hat. Es ist wiederum ohne Naht, so dass es niemals aufgetrennt werden kann, und aus einem Stück, d. h. es bringt alles in eins zusammen. Durch das Los wird die Gnade Gottes bezeichnet; denn Gott erwählt nicht nach Person oder Verdiensten, sondern nach seinem eigenen verborgenen Ratschluss.