
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Johannesevangelium 19
19 Pilatus hatte auch eine Aufschrift schreiben und am Kreuz anbringen lassen. Sie lautete: Jesus, der Nazoräer, der König der Juden. 20 Diese Aufschrift lasen viele Juden, weil der Ort, wo Jesus gekreuzigt wurde, nahe bei der Stadt lag. Und sie war auf hebräisch, lateinisch und griechisch geschrieben. 21 Da sagten die Hohenpriester der Juden zu Pilatus: Schreib nicht: König der Juden, sondern dass er gesagt hat: Ich bin der König der Juden. 22 Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, bleibt geschrieben.
(Tract. cxviii) Aber war Christus nur der König der Juden? Oder auch der Heiden? Auch der Heiden, wie wir in den Psalmen lesen: „Doch habe Ich Meinen König eingesetzt auf Meinem heiligen Berg Sion“ (Ps. 2,6); worauf folgt: „Fordere von Mir, und Ich will Dir die Heiden zum Erbe geben.“ So drückt dieser Titel ein großes Geheimnis aus, nämlich dass der wilde Ölbaum teilhaftig wurde des Fettes des Ölbaums, nicht der Ölbaum teilhaftig der Bitterkeit des wilden Ölbaums. Christus ist also König der Juden gemäß der Beschneidung nicht des Fleisches, sondern des Herzens; nicht im Buchstaben, sondern im Geist. Diesen Titel nun lasen viele der Juden; denn der Ort, wo Jesus gekreuzigt wurde, war nahe bei der Stadt.