
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Johannesevangelium 18
22 Als er aber das sagte, versetzte einer der Diener, der dabeistand, Jesus einen Schlag ins Gesicht und sagte: So antwortest du dem Hohenpriester? 23 Jesus erwiderte ihm: Wenn ich ungehörig geredet habe, so weise mir das Ungehörige nach; habe ich aber recht geredet, warum schlägst du mich? 24 Da schickte ihn Hannas gefesselt zum Hohenpriester Kajaphas.
(Tr. cxiii) Was kann wahrer, sanfter, gütiger sein als diese Antwort? Er, der den Schlag ins Gesicht empfing, wünschte nicht, dass den, der ihn schlug, das Feuer vom Himmel verzehre oder die Erde ihren Mund öffne und ihn verschlinge; oder ein Dämon ihn ergreife; oder irgendeine andere noch schrecklichere Art von Strafe. Hatte doch Er, durch den die Welt gemacht ist, die Macht, irgendeines dieser Dinge geschehen zu lassen, sondern zog es vor, uns jene Geduld zu lehren, durch die die Welt überwunden wird? Jemand wird hier fragen, warum er nicht tat, was er selbst geboten hatte, d. h. nicht diese Antwort gab, sondern dem Schläger die andere Wange hinhielt? Aber was, wenn er beides tat, sowohl sanft antwortete als auch nicht nur seine Wange dem Schläger darbot, sondern seinen ganzen Leib, um ans Kreuz genagelt zu werden? Und darin zeigt er, dass jene Gebote der Geduld nicht durch die Haltung des Leibes, sondern durch die Bereitschaft des Herzens erfüllt werden sollen; denn es ist möglich, dass ein Mensch äußerlich seine Wange hinhält und dennoch zugleich zornig ist. Wie viel besser ist es, wahrhaftig, aber sanft zu antworten und bereit zu sein, sogar härtere Behandlung geduldig zu ertragen.