
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Johannesevangelium 18
19 Der Hohepriester fragte Jesus über seine Jünger und über seine Lehre. 20 Jesus antwortete ihm: Ich habe offen heraus zur Welt gesprochen. Ich habe immer in der Synagoge und im Tempel gelehrt, wo alle Juden zusammenkommen; im Verborgenen habe ich nichts gesprochen. 21 Warum fragst du mich? Frage die, die gehört haben, was ich zu ihnen gesagt habe. Sie wissen, was ich geredet habe.
(Tr. cxiii) Hier gibt es eine Schwierigkeit, die nicht übergangen werden darf: Wenn er nicht einmal zu seinen Jüngern offen sprach, sondern nur versprach, dass er es zu gegebener Zeit tun würde, wie konnte er dann offen zur Welt sprechen? Er sprach später offener zu seinen Jüngern, als sie sich von der Menge zurückgezogen hatten; denn dann erklärte er seine Gleichnisse, deren Bedeutung er vor den anderen verbarg. Wenn er also sagt: Ich habe offen zur Welt geredet, so muss man darunter verstehen: im Hörbereich vieler. In einem Sinn sprach er also offen, d. h. insofern viele ihn hörten; in einem anderen Sinn nicht offen, d. h. insofern sie ihn nicht verstanden. Sein Sprechen abseits mit seinen Jüngern war kein Sprechen im Verborgenen; denn wie hätte er vor der Menge im Verborgenen sprechen können, besonders da jene kleine Zahl seiner Jünger das, was er sagte, einer viel größeren bekannt machen sollte?