
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Johannesevangelium 17
20 Ich bitte aber nicht allein für sie, sondern auch für alle, die durch ihr Wort an mich glauben (werden). 21 Alle sollen eins sein, wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, damit auch sie in uns eins sind und die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast. 22 Und ich habe die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, ihnen gegeben, damit sie eins sind, wie wir eins sind, 23 ich in ihnen und du in mir. So sollen sie zur vollendeten Einheit gelangen, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt und sie geliebt hast, wie du mich geliebt hast.
(Tr. cix) Alle, d. h. nicht nur die, welche damals lebten, sondern auch die, welche geboren werden sollten; nicht nur die, welche die Apostel selbst hörten, sondern auch wir, die lange nach ihrem Tod geboren wurden. Wir alle haben an Christus durch ihr Wort geglaubt: denn sie hörten dieses Wort zuerst von Christus, und dann predigten sie es anderen, und so ist es überliefert worden und wird auf alle Nachwelt übergehen. Wir können sehen, dass in diesem Gebet einige Jünger sind, für die Er nicht betet; für die nämlich, die weder damals bei Ihm waren, noch später durch das Wort der Apostel an Ihn glauben sollten, sondern bereits glaubten. War Nathanael damals bei Ihm, oder Josef von Arimathäa, und viele andere, von denen Johannes sagt, dass sie an Ihn glaubten? Ich erwähne nicht den alten Simeon, oder Anna die Prophetin, Zacharias, Elisabeth, oder Johannes den Täufer; denn es könnte geantwortet werden, dass es nicht nötig war, für Tote zu beten, wie diese, die mit so reichen Verdiensten dahingingen. In Bezug auf die Ersteren müssen wir also verstehen, dass sie noch nicht so an Ihn glaubten, wie Er es wünschte, sondern dass sie nach Seiner Auferstehung, als die Apostel durch den Heiligen Geist gelehrt und gestärkt wurden, zu einem rechten Glauben gelangten. Der Fall des Paulus jedoch bleibt bestehen, ein Apostel nicht von Menschen, noch durch Menschen; (Gal. 1,1) und der des Räubers, der glaubte, als sogar die Lehrer des Glaubens selbst abfielen. Wir müssen also verstehen, dass ihr Wort das Wort des Glaubens selbst bedeutet, das sie der Welt predigten; es wird ihr Wort genannt, weil es zuerst und hauptsächlich von ihnen gepredigt wurde; denn es wurde von ihnen gepredigt, als Paulus es durch Offenbarung von Jesus Christus selbst empfing. Und in diesem Sinne glaubte auch der Räuber ihrem Wort. Daher betet der Erlöser in diesem Gebet für alle, die Er erlöst hat, sowohl gegenwärtige als zukünftige. Und dann folgt die Sache selbst, für die Er betet: Dass sie alle eins seien. Er bittet das für alle, was Er oben für die Jünger erbat; dass alle, sowohl wir als auch sie, eins seien.