
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Johannesevangelium 17
6 Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Dein waren sie und mir hast du sie gegeben; und sie haben an deinem Wort festgehalten. 7 Jetzt wissen sie, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir kommt. 8 Denn die Worte, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, und sie haben sie angenommen und wirklich erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin. Sie sind zu dem Glauben gekommen, dass du mich gesandt hast.
(Tr. cvi) Wenn Er nur von den Jüngern spricht, mit denen Er das Abendmahl hielt, hat dies nichts mit jener Verherrlichung zu tun, von der Er oben sprach, mit der der Sohn den Vater verherrlichte; denn welche Herrlichkeit ist es, zwölf oder elf Männern bekannt zu sein? Wenn Er aber mit den Menschen, die Ihm aus der Welt gegeben wurden, alle meint, die später an Ihn glauben sollten, so ist dies ohne Zweifel die Herrlichkeit, mit der der Sohn den Vater verherrlicht; und: Ich habe Deinen Namen offenbart, ist dasselbe wie das, was Er zuvor sagte: Ich habe Dich verherrlicht; die Vergangenheit steht sowohl dort als auch hier für die Zukunft. Was aber folgt, zeigt, dass Er hier von denen spricht, die bereits Seine Jünger waren, nicht von allen, die später an Ihn glauben sollten. Am Anfang Seines Gebets spricht unser Herr also von allen Gläubigen, allen, denen Er den Vater offenbaren sollte und dadurch Ihn verherrlichen würde: denn nachdem Er gesagt hat: damit Dein Sohn Dich verherrliche, und gezeigt hat, wie das geschehen sollte, sagt Er: Wie Du Ihm Macht über alles Fleisch gegeben hast. Nun lasst uns hören, was Er zu den Jüngern sagt: Ich habe Deinen Namen den Menschen offenbart, die Du Mir aus der Welt gegeben hast. Kannten sie damals den Namen Gottes nicht, als sie Juden waren? Wir lesen in den Psalmen: In Juda ist Gott bekannt; Sein Name ist groß in Israel. (Ps. 76:1) Ich habe Deinen Namen offenbart, muss also nicht vom Namen Gottes verstanden werden, sondern vom Namen des Vaters, der ohne die Offenbarung des Sohnes nicht offenbart werden konnte. Denn Gottes Name als der Gott der ganzen Schöpfung konnte keiner Nation völlig unbekannt sein. Als Schöpfer der Welt war Er unter allen Nationen bekannt, sogar vor der Ausbreitung des Evangeliums. In Juda war Er bekannt als ein Gott, der nicht mit den falschen Göttern angebetet werden sollte; aber als der Vater jenes Christus, durch den Er die Sünden der Welt hinwegnahm, war Sein Name unbekannt; diesen Namen offenbart Christus nun denen, die der Vater Ihm aus der Welt gegeben hatte. Aber wie offenbarte Er ihn, als die Stunde noch nicht gekommen war, von der Er oben sagte: Die Stunde kommt, da Ich nicht mehr in Gleichnissen zu euch reden werde. Wir müssen verstehen, dass die Vergangenheit für die Zukunft steht.