
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Johannesevangelium 16
23 An jenem Tag werdet ihr mich nichts mehr fragen. Amen, amen, ich sage euch: Wenn ihr den Vater um etwas bitten werdet, wird er es euch in meinem Namen geben. 24 Bis jetzt habt ihr um nichts in meinem Namen gebeten. Bittet, und ihr werdet empfangen, damit euere Freude vollkommen ist. 25 Dies habe ich in Bildern zu euch gesagt. Es kommt die Stunde, in der ich nicht mehr in Bildern zu euch spreche, sondern euch unverhüllt vom Vater künden werde. 26 An jenem Tag werdet ihr in meinem Namen bitten und ich sage nicht, dass ich den Vater für euch bitten werde. 27 Denn der Vater selbst liebt euch, weil ihr mich geliebt und geglaubt habt, dass ich von Gott ausgegangen bin. 28 Ich bin vom Vater ausgegangen und in die Welt gekommen. Nun verlasse ich die Welt wieder und gehe zum Vater.
(Tr. cii) Das Wort „was immer“ darf nicht so verstanden werden, dass es irgendetwas bedeutet, sondern etwas, das im Hinblick auf die Erlangung des Lebens der Seligkeit nicht nichts ist. Das wird nicht im Namen des Erlösers erbeten, was zur Behinderung unseres Heils erbeten wird; denn unter „in meinem Namen“ ist nicht der bloße Klang der Buchstaben oder Silben zu verstehen, sondern das, was durch diesen Klang recht und wahr bezeichnet wird. Wer eine Vorstellung von Christus festhält, die vom einzigen Sohn Gottes nicht festgehalten werden darf, bittet nicht in seinem Namen. Wer aber recht von ihm denkt, bittet in seinem Namen und empfängt, worum er bittet, wenn es nicht gegen sein ewiges Heil ist; er empfängt, wenn es recht ist, dass er empfängt; denn manches wird nur gegenwärtig verweigert, um zu geeigneterer Zeit gewährt zu werden. Ferner umfassen die Worte „Er wird es euch geben“ nur jene Wohltaten, die den bittenden Personen eigentlich zukommen. Alle Heiligen werden für sich selbst erhört, aber nicht für alle; denn es heißt nicht einfach „er wird geben“, sondern „er wird euch geben“; was folgt: „Bisher habt ihr nichts in meinem Namen erbeten“, kann auf zweierlei Weise verstanden werden: entweder dass sie nicht in seinem Namen gebeten hatten, weil sie ihn nicht so erkannt hatten, wie er erkannt werden muss; oder: „Ihr habt nichts erbeten“, weil im Hinblick auf die Erlangung dessen, worum ihr bitten solltet, das, worum ihr gebeten habt, als nichts zu zählen ist. Damit sie also in seinem Namen nicht um das bitten, was nichts ist, sondern um die Fülle der Freude, fügt er hinzu: „Bittet, und ihr werdet empfangen, damit eure Freude voll sei.“ Diese volle Freude ist nicht fleischlich, sondern geistliche Freude; und sie wird voll sein, wenn sie so groß ist, dass nichts hinzugefügt werden kann.