
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Johannesevangelium 16
23 An jenem Tag werdet ihr mich nichts mehr fragen. Amen, amen, ich sage euch: Wenn ihr den Vater um etwas bitten werdet, wird er es euch in meinem Namen geben. 24 Bis jetzt habt ihr um nichts in meinem Namen gebeten. Bittet, und ihr werdet empfangen, damit euere Freude vollkommen ist. 25 Dies habe ich in Bildern zu euch gesagt. Es kommt die Stunde, in der ich nicht mehr in Bildern zu euch spreche, sondern euch unverhüllt vom Vater künden werde. 26 An jenem Tag werdet ihr in meinem Namen bitten und ich sage nicht, dass ich den Vater für euch bitten werde. 27 Denn der Vater selbst liebt euch, weil ihr mich geliebt und geglaubt habt, dass ich von Gott ausgegangen bin. 28 Ich bin vom Vater ausgegangen und in die Welt gekommen. Nun verlasse ich die Welt wieder und gehe zum Vater.
(Tr. cii) Er ist vom Vater ausgegangen, weil Er vom Vater ist; Er ist in die Welt gekommen, weil Er sich in leiblicher Gestalt der Welt zeigte. Er verließ die Welt durch seinen Weggang im Leib und ging zum Vater durch die Himmelfahrt seiner Menschheit, und doch verließ Er die Welt nicht hinsichtlich der Leitung seiner Gegenwart; ebenso wie Er, als Er vom Vater ausging und in die Welt kam, dies so tat, dass Er den Vater nicht verließ. Aber unser Herr Jesus Christus, so lesen wir, wurde nach seiner Auferstehung gefragt und gebeten: denn als Er im Begriff war, in den Himmel aufzufahren, wurde Er von seinen Jüngern gefragt, wann Er das Reich für Israel wiederherstellen würde; als Er im Himmel war, wurde Er von Stephanus gebeten, seinen Geist aufzunehmen. Und wer würde zu sagen wagen, dass Er als Sterblicher gefragt werden konnte, als Unsterblicher aber nicht? Ich denke also, dass Er, wenn Er sagt: An jenem Tag werdet ihr Mich nichts fragen, sich nicht auf die Zeit seiner Auferstehung bezieht, sondern auf jene Zeit, da wir Ihn sehen werden, wie Er ist: diese Schau gehört nicht diesem gegenwärtigen Leben an, sondern dem ewigen Leben, wo wir nichts erbitten, nichts fragen werden, weil nichts mehr zu begehren, nichts mehr zu lernen übrig bleibt.