
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Johannesevangelium 16
5 Jetzt aber gehe ich zu dem, der mich gesandt hat, und keiner von euch fragt mich: Wohin gehst du? 6 Sondern weil ich euch das gesagt habe, hat die Traurigkeit euer Herz erfüllt. 7 Aber ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, dass ich weggehe. Denn wenn ich nicht weggehe, wird der Beistand nicht zu euch kommen. Wenn ich aber weggehe, werde ich ihn zu euch senden. 8 Und wenn er kommt, wird er der Welt die Augen öffnen über Sünde, Gerechtigkeit und Gericht. 9 Über Sünde, weil sie nicht an mich glauben; 10 über Gerechtigkeit, weil ich zum Vater gehe und ihr mich nicht mehr seht; 11 über Gericht, weil der Fürst der Welt gerichtet ist.
(Tr. xciv) Oder obwohl sie Ihn oben gefragt hatten, wohin Er gehe, und Er geantwortet hatte, dass Er dorthin gehe, wohin sie nicht kommen könnten; jetzt verheißt Er, dass Er so gehen werde, dass niemand Ihn fragen werde, wohin Er gehe: und keiner von euch fragt Mich: Wohin gehst Du? Als Er in den Himmel auffuhr, fragten sie Ihn nicht mit Worten, sondern folgten mit ihren Augen. Aber unser Herr sah, welche Wirkung Seine Worte auf ihre Gemüter haben würden. Da sie noch nicht den inneren Trost hatten, den der Heilige Geist spenden sollte, fürchteten sie, die äußere Gegenwart Christi zu verlieren, und so, als sie aus Seinen eigenen Worten nicht mehr zweifeln konnten, dass sie Ihn verlieren würden, wurden ihre menschlichen Affekte betrübt wegen des Verlustes ihres sichtbaren Gegenstandes. Deshalb folgt: Aber weil Ich euch diese Dinge gesagt habe, hat Kummer eure Herzen erfüllt. Aber Er wusste, dass es zu ihrem Besten sein würde, da jene innere Schau, mit der der Heilige Geist sie trösten würde, die bessere war: Dennoch sage Ich euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, dass Ich weggehe.