
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Johannesevangelium 15
22 Wäre ich nicht gekommen und hätte nicht zu ihnen gesprochen, so hätten sie keine Sünde. Nun aber haben sie keine Entschuldigung für ihre Sünde. 23 Wer mich hasst, hasst auch meinen Vater. 24 Hätte ich nicht die Werke in ihrer Mitte vollbracht, die kein anderer vollbracht hat, so hätten sie keine Sünde. Jetzt aber haben sie sie gesehen und hassen dennoch mich und meinen Vater. 25 Aber das Wort, das in ihrem Gesetz steht, musste erfüllt werden: Sie haben mich ohne Grund gehasst.
(Tr. xci. 1) Die Sünde, nicht an Ihn zu glauben, trotz Seiner Lehre und Seiner Wunder. Aber warum fügt Er hinzu: Die kein anderer Mensch getan hat? Christus tat kein größeres Werk als die Auferweckung der Toten, von der wir wissen, dass die alten Propheten sie vor Ihm taten. Ist es, dass Er einige Dinge tat, die kein anderer tat? Aber andere taten auch, was weder Er noch irgendein anderer tat. Wahr: doch keiner der alten Propheten, von denen wir lesen, heilte so viele körperliche Gebrechen, Krankheiten, Schwächen. Denn um von einzelnen Fällen nicht zu reden, sagt Markus, dass, wohin Er auch kam, in Dörfer oder Städte oder aufs Land, sie die Kranken auf den Straßen legten und Ihn baten, dass sie nur den Saum Seines Gewandes berühren dürften; und alle, die Ihn berührten, wurden geheilt. (Mk 6,56) Solche Werke wie diese hatte kein anderer unter ihnen getan. Unter ihnen, das heißt nicht unter ihnen oder vor ihnen, sondern in ihnen. Aber selbst wo einzelne Werke wie einige von diesen zuvor getan worden waren, tat sie der, der sie tat, nicht wirklich; denn Er tat sie durch sie; während Er diese Wunder durch Seine eigene Kraft wirkt. Denn selbst wenn der Vater oder der Heilige Geist sie taten, so war es doch kein anderer als Er; denn die drei Personen sind eines Wesens. Für diese Wohltaten also hätten sie Ihm nicht Hass, sondern Liebe erweisen sollen. Und dies wirft Er ihnen vor: Aber jetzt haben sie sowohl mich als auch meinen Vater gesehen und gehasst.