
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Johannesevangelium 15
4 Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch. Wie die Rebe aus sich keine Frucht bringen kann, sondern nur, wenn sie am Weinstock bleibt, so könnt auch ihr es nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt. 5 Ich bin der Weinstock, ihr die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich, der bringt viele Frucht. Denn ohne mich könnt ihr nichts tun. 6 Wenn einer nicht in mir bleibt, wird er fortgeworfen wie die Reben und verdorrt. Man sammelt sie und wirft sie ins Feuer und sie verbrennen. 7 Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, dann bittet, um was ihr wollt, und es wird euch zuteil werden.
(Tract. lxxxi. 1) Bleibt in mir, und ich in euch: nicht sie in ihm, wie er in ihnen; denn beides dient nicht ihm, sondern ihnen zum Nutzen. Die Reben bringen dem Weinstock keinen Vorteil, sondern empfangen von ihm ihre Nahrung: der Weinstock spendet den Reben Nahrung, nimmt aber nichts von ihnen: so dient sowohl das Bleiben in Christus als auch das Bleiben Christi in ihnen dem Nutzen der Jünger, nicht Christi; gemäß dem, was folgt: Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt. Große Offenbarung der Gnade! Er stärkt die Herzen der Demütigen, verschließt den Mund der Stolzen. Diejenigen, die behaupten, Gott sei nicht notwendig für das Tun guter Werke – die Umstürzler, nicht die Verteidiger des freien Willens –, widersprechen dieser Wahrheit. Denn wer meint, er bringe aus sich selbst Frucht, ist nicht im Weinstock; wer nicht im Weinstock ist, ist nicht in Christus; wer nicht in Christus ist, ist kein Christ.