
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Johannesevangelium 14
27 Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht so, wie die Welt ihn gibt, gebe ich ihn euch. Euer Herz erschrecke nicht und verzage nicht. 28 Ihr habt gehört, dass ich zu euch gesagt habe: Ich gehe fort und komme wieder zu euch. Liebtet ihr mich, würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe; denn der Vater ist größer als ich. 29 Schon jetzt habe ich es euch gesagt, bevor es geschieht, damit ihr, wenn es geschieht, glaubt. 30 Ich werde nicht mehr viel mit euch reden. Denn der Fürst der Welt kommt. Gegen mich vermag er nichts, 31 aber die Welt soll erkennen, dass ich den Vater liebe und so handle, wie mir der Vater aufgetragen hat. Steht auf, wir wollen weggehen von hier.
(Tract. lxxviii. 1) Obwohl er nur für eine Zeit wegging, würden ihre Herzen verwirrt und ängstlich sein wegen dessen, was geschehen könnte, bevor er zurückkehrte; damit nicht in der Abwesenheit des Hirten der Wolf die Herde angreife: Ihr habt gehört, dass ich euch gesagt habe: Ich gehe weg und komme wieder zu euch. Insofern er Mensch war, ging er; insofern er Gott war, blieb er. Warum also verwirrt und ängstlich sein, wenn er nur das Auge verließ, nicht das Herz? Um sie verstehen zu lassen, dass er als Mensch sagte: Ich gehe weg und komme wieder zu euch; fügt er hinzu: Wenn ihr mich liebtet, würdet ihr euch freuen, weil ich gesagt habe: Ich gehe zum Vater; denn der Vater ist größer als ich. Insofern der Sohn also dem Vater nicht gleich ist, ging er durch diese Ungleichheit zum Vater, um von ihm wiederzukommen, um die Lebenden und die Toten zu richten: insofern er dem Vater gleich ist, geht er niemals vom Vater weg, sondern ist überall ganz mit ihm in jener Gottheit, die nicht an einen Ort gebunden ist. Ja, der Sohn selbst, weil er, dem Vater gleich in der Gestalt Gottes, sich selbst entäußerte, nicht die Gestalt Gottes verlor, sondern die eines Knechtes annahm, ist sogar größer als er selbst: die Gestalt Gottes, die nicht verloren ging, ist größer als die Gestalt eines Knechtes, die angenommen wurde. In dieser Gestalt eines Knechtes ist der Sohn Gottes nicht nur dem Vater, sondern auch dem Heiligen Geist untergeordnet; in dieser war das Kind Christus sogar seinen Eltern untergeordnet; von denen wir lesen, dass er ihnen untertan war. Lasst uns also die zwei Naturen Christi anerkennen, die göttliche, die dem Vater gleich ist, und die menschliche, die untergeordnet ist. Aber Christus ist beides zusammen, nicht zwei, sondern ein Christus: sonst wäre die Gottheit eine Vierheit, nicht eine Dreifaltigkeit. Deshalb sagt er: Wenn ihr mich liebtet, würdet ihr euch freuen, weil ich gesagt habe: Ich gehe zum Vater; denn die menschliche Natur sollte jubeln, dass sie so vom eingeborenen Wort aufgenommen und im Himmel unsterblich gemacht wurde; dass die Erde zum Himmel erhoben und der Staub unverweslich zur Rechten des Vaters sitzt. Wer, der Christus liebt, wird sich darüber nicht freuen, da er sieht, dass seine eigene Natur in Christus unsterblich ist, und hofft, dass er selbst durch Christus so sein wird.