
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Johannesevangelium 14
18 Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen. Ich komme zu euch. 19 Noch kurze Zeit und die Welt sieht mich nicht mehr. Ihr aber seht mich, weil ich lebe und auch ihr leben werdet. 20 An jenem Tag werdet ihr erkennen, dass ich in meinem Vater bin und ihr in mir seid und ich in euch. 21 Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt. Wer aber mich liebt, wird von meinem Vater geliebt werden, und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.
(Tr. lxxv. 3) Aber warum spricht Er vom Leben als gegenwärtig für Ihn, zukünftig für sie? Weil Seine Auferstehung vorausging, die ihre folgen sollte. Seine Auferstehung sollte so bald geschehen, dass Er sie als gegenwärtig bezeichnet; da die ihre bis zum Ende der Welt aufgeschoben ist, sagt Er nicht „ihr lebt“, sondern „ihr werdet leben“. Weil Er lebt, darum werden wir leben: Wie durch einen Menschen der Tod kam, so kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten. (1 Kor. 15:21) Es folgt: An jenem Tag (dem Tag, von dem Er sagt: ihr werdet auch leben) werdet ihr erkennen, d. h. während ihr jetzt glaubt, werdet ihr dann sehen, dass Ich im Vater bin und ihr in Mir und Ich in euch. Denn wenn wir zu jenem Leben gelangt sein werden, in dem der Tod verschlungen ist, dann wird vollendet sein, was jetzt durch Ihn begonnen ist, dass Er in uns sei und wir in Ihm.