
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Johannesevangelium 14
12 Amen, amen, ich sage euch: Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen. Und er wird noch größere vollbringen; denn ich gehe zum Vater. 13 Und um was ihr in meinem Namen bittet, werde ich tun, damit der Vater im Sohn verherrlicht wird. 14 Wenn ihr mich um irgendetwas in meinem Namen bittet, werde ich es tun.
(Tr. lxxi. 3) Aber was sind diese größeren Werke? Ist es, dass der Schatten der Apostel, als sie vorübergingen, die Kranken heilte? Es ist in der Tat eine größere Sache, dass ein Schatten heilt, als dass der Saum eines Gewandes es tut. Dennoch bezieht sich unser Herr hier mit Werken auf seine Worte. Denn wenn er sagt: Mein Vater, der in mir wohnt, er tut die Werke, was sind diese Werke anderes als die Worte, die er sprach? Und die Frucht jener Worte war ihr Glaube. Aber diese waren nur wenige Bekehrte im Vergleich zu dem, was jene Jünger später durch ihre Predigt bewirkten: sie bekehrten die Heiden zum Glauben. Ging nicht der Reiche traurig von seinen Worten weg? Und doch tat das, was einer auf seine eigene Ermahnung nicht tat, später viele, als er durch die Jünger predigte. Er tat größere Werke, als er durch die Gläubigen predigte, als als er zu den Ohren der Menschen sprach. (lxxii. 2). Dennoch tat er diese größeren Werke durch seine Apostel, während er andere außer ihnen einschließt, wenn er sagt: Wer an mich glaubt. Sollen wir keinen unter den Gläubigen an Christus zählen, der nicht größere Werke als Christus tut? Das klingt hart, wenn es nicht erklärt wird. Der Apostel sagt: Dem aber, der an den glaubt, der den Gottlosen rechtfertigt, wird sein Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet. (Röm. 4:5) Durch dieses Werk also werden wir die Werke Christi tun, da der Glaube an Christus selbst das Werk Christi ist, denn er wirkt dies in uns, wenn auch nicht ohne uns. Beachte also: Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich tue, auch tun. Zuerst tue ich sie, dann wird er sie tun: Ich tue sie, damit er sie tut. Welche Werke aber tut er anderes als dies, dass ein Mensch aus einem Sünder gerecht wird? was Christus in uns wirkt, wenn auch nicht ohne uns. Dies in Wahrheit nenne ich ein größeres Werk zu tun, als den Himmel und die Erde zu erschaffen; denn Himmel und Erde werden vergehen, aber das Heil und die Rechtfertigung der Vorherbestimmten wird bleiben. (c. 3.). Jedoch sind die Engel im Himmel das Werk Christi; wird der, der mit Christus für seine eigene Rechtfertigung wirkt, sogar größere als diese tun? Beurteile jeder, welches das größere Werk ist, den Gerechten zu erschaffen oder den Gottlosen zu rechtfertigen? Wenigstens, wenn beide von gleicher Kraft sind, hat das letztere mehr von Barmherzigkeit. Aber es ist nicht notwendig, alle Werke Christi zu verstehen, wenn er sagt: Größere als diese wird er tun. Diese bezieht sich vielleicht auf die Werke, die er zu jener Stunde getan hatte. Er hatte sie damals im Glauben unterrichtet. Und sicherlich ist es ein geringeres Werk, Gerechtigkeit zu predigen, was er ohne uns tat, als den Gottlosen zu rechtfertigen, was er so in uns tut, dass wir es selbst tun. Große Dinge wahrlich verhieß unser Herr seinem Volk, als er zu seinem Vater ging: Denn ich gehe zu meinem Vater.