
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Johannesevangelium 13
33 Meine Kinder, nur noch eine kurze Zeit bin ich bei euch. Ihr werdet mich suchen, und was ich zu den Juden gesagt habe: Wohin ich gehe, dorthin könnt ihr nicht kommen, sage ich jetzt auch zu euch. 34 Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben. 35 Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr untereinander Liebe habt.
(Tr. lxiv. 1) Es kann auch so verstanden werden: Ich bin noch in diesem zerbrechlichen Fleisch, so wie ihr, bis ich sterbe und wieder auferstehe. Er war nach seiner Auferstehung bei ihnen durch leibliche Gegenwart, nicht durch Teilhabe an menschlicher Zerbrechlichkeit. Das sind die Worte, die ich zu euch sprach, als ich noch bei euch war (Lk 24,44), sagt er zu seinen Jüngern nach seiner Auferstehung; das heißt: als ich im sterblichen Fleisch war, wie ihr. Er war damals im selben Fleisch mit ihnen, aber nicht derselben Sterblichkeit unterworfen. Aber es gibt eine andere göttliche Gegenwart, die den sterblichen Sinnen unbekannt ist, von der er sagt: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt. (Mt 28,20) Diese ist nicht die Gegenwart, die mit „noch eine kleine Weile bin ich bei euch“ gemeint ist; denn es ist keine kleine Weile bis zum Ende der Welt; oder selbst wenn es eine kleine Weile ist, weil in den Augen Gottes tausend Jahre wie ein Tag sind, so zeigt doch das Folgende, dass es nicht das ist, worauf unser Herr hier anspielt; denn er fügt hinzu: Wohin ich gehe, könnt ihr mir jetzt nicht folgen. Am Ende der Welt sollten sie ihm folgen, wohin er ging; wie er unten sagt: Vater, ich will, dass sie bei mir seien, wo ich bin. (c. 17,24)