
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Johannesevangelium 13
1 Es war vor dem Paschafest. Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war, um aus dieser Welt zum Vater hinüberzugehen; und weil er die Seinen, die in der Welt waren, liebte, so liebte er sie bis zum Ende. 2 Man war bei Tisch und der Teufel hatte Judas, dem Sohn des Simon Iskariot, schon ins Herz gelegt, ihn zu verraten. 3 Da erhob sich Jesus, der wusste, dass der Vater ihm alles in die Hände gegeben und dass er von Gott ausgegangen war und nun zu Gott zurückkehrte, 4 vom Mahl auf, legte die Oberkleider ab, nahm ein Leinentuch und band es sich um. 5 Dann goss er Wasser in das Waschbecken und begann, den Jüngern die Füße zu waschen und mit dem Leinentuch abzutrocknen, das er sich umgebunden hatte.
(Tr. lv. 2) Er liebte sie bis ans Ende, d. h. dass auch sie selbst durch die Liebe aus dieser Welt zu ihm, ihrem Haupt, hinübergehen sollten. Denn was ist bis ans Ende anderes als bis zu Christus? (Röm. 10:4) Denn Christus ist das Ende des Gesetzes zur Gerechtigkeit für jeden, der glaubt. Aber diese Worte können auf menschliche Weise verstanden werden, dass Christus die Seinen bis zu seinem Tod liebte. Aber Gott bewahre, dass er seine Liebe durch den Tod beendete, der nicht durch den Tod beendet wird; es sei denn, wir verstehen es so: Er liebte die Seinen bis zum Tod, d. h. seine Liebe zu ihnen führte ihn zum Tod. Und nachdem das Mahl gehalten worden war, d. h. nachdem es vorbereitet und auf den Tisch vor sie gelegt worden war; nicht verzehrt und beendet: denn während des Mahls stand er auf und wusch seinen Jüngern die Füße; wie er danach wieder zu Tisch saß und dem Verräter den Bissen gab. Was folgt: Der Teufel hatte schon dem Judas, Simons Sohn, dem Iskarioten, ins Herz gegeben, ihn zu verraten, bezieht sich auf eine geheime Eingebung, nicht ins Ohr, sondern in den Geist; die Eingebungen des Teufels sind Teil unserer eigenen Gedanken. Judas hatte also schon durch teuflische Anstiftung die Absicht gefasst, seinen Meister zu verraten.