
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Johannesevangelium 12
1 Sechs Tage vor dem Paschafest kam Jesus nach Betanien, wo Lazarus war, den er von den Toten auferweckt hatte. 2 Dort bereiteten sie ihm ein Gastmahl und Marta sorgte für die Bewirtung. Auch Lazarus gehörte zu denen, die mit ihm zu Tisch lagen. 3 Da nahm Maria ein Pfund echtes, kostbares Nardenöl, salbte Jesus die Füße und trocknete sie mit ihren Haaren. Das Haus wurde vom Duft des Salböl erfüllt. 4 Judas Iskariot aber, einer von seinen Jüngern, derselbe, der ihn verraten sollte, sagte: 5 Warum hat man dieses Öl nicht für dreihundert Denare verkauft und den Erlös den Armen gegeben? 6 Das sagte er aber nicht, weil ihm etwas an den Armen lag, sondern weil er ein Dieb war und als Verwalter der Kasse die Einlagen unterschlug. 7 Da sagte Jesus: Lass sie gewähren! Sie hat es für den Tag meines Begräbnisses aufbewahrt. 8 Denn die Armen habt ihr allezeit bei euch, mich aber nicht. 9 Als viele Juden erfahren hatten, dass er sich dort aufhielt, so kamen sie, nicht nur um Jesu willen, sondern auch um Lazarus zu sehen, den er von den Toten auferweckt hatte. 10 Die Hohenpriester aber beschlossen, auch Lazarus zu töten, 11 weil viele Juden um seinetwillen hingingen und an Jesus glaubten.
(de Con. Evang. ii. lxxix. [156.]) Da sagte einer Seiner Jünger, Judas Iskariot, der Sohn des Simon, der Ihn verraten sollte: Warum wurde diese Salbe nicht für dreihundert Denare verkauft und den Armen gegeben? In den anderen Evangelien sind es die Jünger, die über die Verschwendung der Salbe murrten. Ich denke, dass Judas für die gesamte Jüngerschar steht; der Singular für den Plural. Aber jedenfalls können wir für uns ergänzen, dass die anderen Jünger es sagten oder dachten oder durch genau diese Rede des Judas überzeugt wurden. Der einzige Unterschied ist, dass Matthäus und Markus ausdrücklich die Zustimmung der anderen erwähnen, während Johannes nur Judas erwähnt, dessen Diebesgewohnheit Er zum Anlass nimmt, sie zu bemerken: Dies sagte er aber nicht, weil ihm an den Armen lag, sondern weil er ein Dieb war und den Beutel hatte und trug, was hineingelegt wurde.