
Gregor der Große
Catena Aurea · Johannesevangelium 11
47 Da riefen die Hohenpriester und Pharisäer den Hohen Rat zusammen und sagten: Was sollen wir tun? Dieser Mensch tut so viele Zeichen. 48 Wenn wir ihn so weitermachen lassen, werden alle an ihn glauben; die Römer werden kommen und uns die heilige Stätte und das Volk nehmen. 49 Einer von ihnen, Kajaphas, der in jenem Jahr Hoherpriester war, sagte zu ihnen: Ihr wisst nichts 50 und bedenkt nicht, dass es besser für euch ist, wenn ein einziger Mensch für das Volk stirbt und nicht das ganze Volk zugrunde geht. 51 Das sagte er aber nicht aus sich heraus, sondern als Hoherpriester jenes Jahres weissagte er, dass Jesus für das Volk sterben werde 52 und nicht für das Volk allein, sondern auch, um die zerstreuten Kinder Gottes zur Einheit zusammenzuführen. 53 Seit jenem Tag waren sie entschlossen, ihn zu töten.
(vi. Moral.) Seine Verfolger erreichten diese böse Absicht und töteten ihn, in der Meinung, die Hingabe seiner Anhänger auszulöschen; aber der Glaube wuchs gerade aus dem, was diese grausamen und ungläubigen Menschen für sein Verderben hielten. Was menschliche Grausamkeit gegen ihn ausgeführt hatte, wandte er zu den Zwecken seiner Barmherzigkeit.