Origenes
Catena Aurea · Johannesevangelium 11
47 Da riefen die Hohenpriester und Pharisäer den Hohen Rat zusammen und sagten: Was sollen wir tun? Dieser Mensch tut so viele Zeichen. 48 Wenn wir ihn so weitermachen lassen, werden alle an ihn glauben; die Römer werden kommen und uns die heilige Stätte und das Volk nehmen. 49 Einer von ihnen, Kajaphas, der in jenem Jahr Hoherpriester war, sagte zu ihnen: Ihr wisst nichts 50 und bedenkt nicht, dass es besser für euch ist, wenn ein einziger Mensch für das Volk stirbt und nicht das ganze Volk zugrunde geht. 51 Das sagte er aber nicht aus sich heraus, sondern als Hoherpriester jenes Jahres weissagte er, dass Jesus für das Volk sterben werde 52 und nicht für das Volk allein, sondern auch, um die zerstreuten Kinder Gottes zur Einheit zusammenzuführen. 53 Seit jenem Tag waren sie entschlossen, ihn zu töten.
(t. xxviii. c. 11.) Diese Rede ist ein Beweis ihrer Kühnheit und Blindheit: ihrer Kühnheit, weil sie bezeugten, dass er viele Wunder getan hatte, und dennoch meinten, sie könnten erfolgreich gegen ihn kämpfen und er habe keine Macht, ihren Anschlägen zu widerstehen; ihrer Blindheit, weil sie nicht bedachten, dass der, welcher solche Wunder gewirkt hatte, leicht aus ihren Händen entkommen könnte; es sei denn, sie leugneten, dass diese Wunder durch göttliche Kraft geschehen seien. Sie beschlossen also, ihn nicht gehen zu lassen; in der Meinung, dadurch denen ein Hindernis in den Weg zu legen, die an ihn glauben wollten, und auch die Römer daran zu hindern, ihren Ort und ihre Nation wegzunehmen. Wenn wir ihn so allein lassen, werden alle Menschen an ihn glauben, und die Römer werden kommen und sowohl unseren Ort als auch unsere Nation wegnehmen.