
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Johannesevangelium 11
41 Da nahmen sie den Stein weg, Jesus aber erhob seine Augen und betete: Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast. 42 Ich wusste, dass du mich allezeit erhörst. Aber ich habe es wegen der dabeistehenden Menge gesagt, damit sie glauben, dass du mich gesandt hast. 43 Nach diesen Worten rief er mit lauter Stimme: Lazarus, komm heraus! 44 Da kam der Tote heraus, Füße und Hände mit Binden umwickelt, und sein Gesicht war mit einem Schweißtuch verhüllt. Jesus sagte zu ihnen: Macht ihn frei und lasst ihn gehen! 45 Viele Juden, die zu Maria gekommen waren und gesehen hatten, was Jesus getan, glaubten an ihn. 46 Einige aber von ihnen gingen zu den Pharisäern und erzählten ihnen, was er getan hatte.
(Tract. in Joan. xlix. 19) Der Herr seufzte, weinte, rief mit lauter Stimme. Es ist schwer für ihn aufzustehen, der unter der Last böser Gewohnheiten gebeugt ist. Christus beunruhigt sich, um dir zu zeigen, dass du beunruhigt sein solltest, wenn du von einer solchen Last der Sünde bedrückt und niedergedrückt wirst. Der Glaube seufzt, der, der mit sich selbst unzufrieden ist, seufzt und klagt seine eigenen bösen Taten an; damit so die Gewohnheit der Sünde der Gewalt der Buße weiche. Wenn du sagst: Ich habe dies und jenes getan, und Gott hat mich verschont; ich habe das Evangelium gehört und es verachtet; was soll ich tun? dann seufzt Christus, weil der Glaube seufzt; und in der Stimme deines Seufzens erscheint die Hoffnung auf deine Auferstehung.