
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Johannesevangelium 10
31 Da hoben die Juden wiederum Steine auf, um ihn zu steinigen. 32 Jesus antwortete ihnen: Viele gute Werke habe ich euch gezeigt, die der Vater durch mich vollbringt. Für welches dieser Werke wollt ihr mich steinigen? 33 Die Juden antworteten ihm: Nicht wegen eines guten Werkes wollen wir dich steinigen, sondern wegen Lästerung: weil du, der du ein Mensch bist, dich zu Gott machst. 34 Jesus antwortete ihnen: Steht nicht in euerem Gesetz geschrieben: Ich habe gesagt: Götter seid ihr? 35 Wenn er jene, an die das Wort Gottes ergangen ist, Götter genannt hat und die Schrift doch nicht ihre Geltung verlieren kann, 36 wollt ihr dann zu dem, den der Vater geheiligt und in die Welt gesandt hat, sagen: Du lästerst -- weil ich gesagt habe: Ich bin Gottes Sohn? 37 Wenn ich nicht die Werke meines Vaters vollbringe, dann braucht ihr mir nicht zu glauben. 38 Wenn ich sie aber vollbringe, dann glaubt -- wenn ihr mir nicht glauben wollt -- den Werken, damit ihr erkennt und einseht, dass in mir der Vater ist und ich im Vater bin.
(Tract. xlviii) d. h. das Gesetz, das euch gegeben wurde: Ich habe gesagt: Ihr seid Götter? (Ps. 82,6) Gott sagt dies durch den Propheten im Psalm. Unser Herr nennt alle jene Schriften allgemein das Gesetz, obwohl Er anderswo geistig das Gesetz von den Propheten unterscheidet. An diesen zwei Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten. (Mt 22,40) An einer anderen Stelle teilt Er die Schriften dreifach ein: Alles muss erfüllt werden, was im Gesetz des Mose und in den Propheten und in den Psalmen über Mich geschrieben steht. (Lk 24,44) Nun nennt Er die Psalmen das Gesetz und argumentiert so aus ihnen: Wenn er die Götter nannte, zu denen das Wort Gottes erging, und die Schrift nicht gebrochen werden kann, sagt ihr von Dem, den der Vater geheiligt und in die Welt gesandt hat: Du lästerst, weil Ich gesagt habe: Ich bin der Sohn Gottes?