
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Johannesevangelium 10
22 Damals fand das Tempelweihfest in Jerusalem statt. Es war Winter 23 und Jesus ging im Tempel in der Halle Salomos auf und ab. 24 Da umringten ihn die Juden und fragten ihn: Wie lange noch hältst du uns in Spannung? Wenn du der Messias bist, so sag es uns offen! 25 Jesus antwortete ihnen: Ich habe es euch schon gesagt. Aber ihr glaubt nicht. Die Werke, die ich im Namen meines Vaters vollbringe, legen Zeugnis für mich ab. 26 Aber ihr glaubt nicht, weil ihr nicht zu meinen Schafen gehört. 27 Meine Schafe hören meine Stimme und ich kenne sie und sie folgen mir. Ich gebe ihnen ewiges Leben. 28 Sie werden in Ewigkeit nicht verloren gehen, und niemand wird sie meiner Hand entreißen. 29 Mein Vater, der sie mir gegeben hat, ist größer als alle und niemand kann sie der Hand des Vaters entreißen. 30 Ich und der Vater sind eins.
(Tract. xlviii) Der Sohn, von Ewigkeit her vom Vater geboren, Gott von Gott, hat nicht durch Wachstum Gleichheit mit dem Vater, sondern durch Geburt. Das ist jenes „größer als alle“, das der Vater Ihm gab; nämlich Sein Wort zu sein, Sein eingeborener Sohn zu sein, der Glanz Seines Lichtes zu sein. Daher reißt niemand Seine Schafe aus Seiner Hand, ebenso wenig wie aus der Hand Seines Vaters: Und niemand kann sie aus der Hand Meines Vaters reißen. Wenn wir unter Hand die Macht verstehen, so ist die Macht des Vaters und des Sohnes eine, so wie auch ihre Gottheit eine ist. Wenn wir den Sohn verstehen, so ist der Sohn die Hand des Vaters, nicht in körperlichem Sinn, als hätte Gott der Vater Glieder, sondern als der, durch den alles gemacht wurde. Menschen nennen oft andere Menschen Hände, wenn sie sie für irgendeinen Zweck gebrauchen. Und manchmal wird das Werk eines Menschen selbst seine Hand genannt, weil es von seiner Hand gemacht wurde; wie wenn man sagt, ein Mensch kenne seine eigene Hand, wenn er seine eigene Handschrift erkennt. An dieser Stelle jedoch bedeutet Hand Macht. Wenn wir sie für den Sohn nehmen, geraten wir in Gefahr zu meinen, dass, wenn der Vater eine Hand hat und diese Hand Sein Sohn ist, der Sohn auch einen Sohn haben müsse.