
Gregor der Große
Catena Aurea · Johannesevangelium 10
11 Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben für die Schafe. 12 Der Lohnknecht aber, der nicht Hirt ist und dem die Schafe nicht gehören, lässt, wenn er den Wolf kommen sieht, die Schafe im Stich und flieht -- und der Wolf raubt und versprengt sie. 13 Denn er ist ein Lohnknecht und an den Schafen liegt ihm nichts.
(Hom. in Evang. xiv.) Der Wolf kommt auch über die Schafe, wann immer ein Räuber und ungerechter Mensch die demütigen Gläubigen bedrängt. Und wer zu scheinen scheint ein Hirt zu sein, aber die Schafe verlässt und flieht, ist der, der aus Furcht vor Gefahr für sich selbst nicht wagt, seiner Gewalt zu widerstehen. Er flieht nicht durch Ortswechsel, sondern indem er seiner Herde den Trost vorenthält. Der Mietling ist von keinem Eifer gegen diese Ungerechtigkeit entflammt. Er achtet nur auf äußere Bequemlichkeiten und übersieht das innere Leiden seiner Herde. Der Mietling flieht, weil er ein Mietling ist und sich nicht um die Schafe kümmert. Der einzige Grund, dass der Mietling flieht, ist, dass er ein Mietling ist; als ob er sagen wollte: Er kann nicht standhalten, wenn Gefahr naht, der die Schafe, über die er gesetzt ist, nicht liebt, sondern irdischen Gewinn sucht. Ein solcher wagt es nicht, der Gefahr ins Auge zu sehen, aus Furcht, er könnte verlieren, was er so sehr liebt.