
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Johannesevangelium 10
1 Amen, amen, ich sage euch: Wer nicht durch die Tür in den Schafstall hineingeht, sondern anderswo einsteigt, der ist ein Dieb und ein Räuber. 2 Wer aber durch die Tür hineingeht, der ist der Hirt der Schafe. 3 Ihm öffnet der Türhüter und die Schafe hören auf seine Stimme. Er ruft seine Schafe beim Namen und führt sie hinaus. 4 Wenn er alle seine Schafe hinausgelassen hat, geht er vor ihnen her, und die Schafe folgen ihm, weil sie seine Stimme kennen. 5 Einem Fremden aber werden sie nicht folgen, sondern vor ihm fliehen, weil sie die Stimme der Fremden nicht kennen.
(Tr. xlv. 10. ct seq.) Aber hier ist eine Schwierigkeit. Manchmal hören die, die nicht Schafe sind, die Stimme Christi; denn Judas hörte, der ein Wolf war. Und manchmal hören die Schafe Ihn nicht; denn die, die Christus kreuzigten, hörten nicht; doch einige von ihnen waren Seine Schafe. Du wirst sagen: Während sie nicht hörten, waren sie keine Schafe; die Stimme, als sie sie hörten, verwandelte sie von Wölfen zu Schafen. Dennoch bin ich beunruhigt durch die Zurechtweisung des Herrn an die Hirten bei Ezechiel: Und das Verirrte habt ihr nicht zurückgebracht. (Ez 34,4) Er nennt es ein verirrtes Schaf, aber dennoch die ganze Zeit ein Schaf; obwohl es, wenn es sich verirrte, nicht die Stimme des Hirten hätte hören können, sondern die Stimme eines Fremden. Was ich also sage, ist dies: Der Herr kennt die Seinen. (2 Tim 2,19) Er kennt die Vorhergewussten, Er kennt die Vorherbestimmten. Sie sind die Schafe: eine Zeit lang kennen sie sich selbst nicht, aber der Hirt kennt sie; denn viele Schafe sind außerhalb des Pferchs, viele Wölfe innerhalb. Er spricht also von den Vorherbestimmten. Und nun ist die Schwierigkeit gelöst. Die Schafe hören die Stimme des Hirten, und nur sie. Wann ist das? Es ist, wenn jene Stimme sagt: Wer bis ans Ende ausharrt, wird gerettet werden. (Mt 10,32) Diese Rede hören die Seinen, die Fremden hören sie nicht.