
Gregor der Große
Catena Aurea · Johannesevangelium 1
24 Es waren auch Abgesandte aus dem Kreis der Pharisäer anwesend. 25 Sie fragten ihn: Warum taufst du denn, wenn du weder der Messias noch Elija noch der Prophet bist? 26 Johannes antwortete ihnen: Ich taufe mit Wasser. Mitten unter euch steht der, den ihr nicht kennt, 27 der nach mir kommt, dessen Schuhriemen aufzuknüpfen ich nicht würdig bin. 28 Das geschah in Betanien jenseits des Jordan, wo Johannes taufte.
(Hom. vii. in Ev. c. 3) Oder so: Es war ein Gesetz der alten Ordnung, dass, wenn ein Mann sich weigerte, die Frau, die ihm von Rechts wegen zukam, zur Ehe zu nehmen, derjenige, der von Rechts wegen als Nächster der Ehemann sein sollte, seinen Schuh lösen sollte. In welcher Eigenschaft aber erschien Christus in der Welt, wenn nicht als Bräutigam der heiligen Kirche? (Johannes 3,29) Johannes erklärte sich daher sehr passend für unwürdig, den Riemen dieses Schuhes zu lösen: als ob er sagte: Ich kann die Füße des Erlösers nicht entblößen, denn ich beanspruche nicht den Titel des Bräutigams, auf den ich kein Recht habe. Oder die Stelle kann auf andere Weise erklärt werden. Wir wissen, dass Schuhe aus toten Tieren gemacht werden. Unser Herr also, als Er im Fleisch kam, zog gleichsam Schuhe an; weil Er in Seiner Gottheit das Fleisch unserer Verderbnis annahm, in dem wir von uns aus zugrunde gegangen waren. Und der Riemen des Schuhes ist das Siegel über das Geheimnis. Johannes ist nicht fähig, den Riemen des Schuhes zu lösen; d. h. auch er kann nicht in das Geheimnis der Menschwerdung eindringen. So scheint er zu sagen: Was Wunder, dass Er mir vorgezogen wird, den ich, obwohl nach mir geboren, betrachte, dessen Geburtsgeheimnis ich aber nicht begreife.