
Gregor der Große
Catena Aurea · Johannesevangelium 1
18 Niemand hat Gott jemals gesehen. Der Einzige, der Gott ist und an der Brust des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht.
(xviii. Moral. c. 54. [88] rec. 28) Es wird uns hier deutlich zu verstehen gegeben, dass wir, solange wir in diesem sterblichen Zustand sind, Gott nur durch das Medium bestimmter Bilder sehen können, nicht in der Wirklichkeit seines eigenen Wesens. Eine von der Gnade des Geistes beeinflusste Seele kann Gott durch bestimmte Figuren sehen, aber nicht in sein absolutes Wesen eindringen. Und daher kommt es, dass Jakob, der bezeugt, Gott gesehen zu haben, nichts als einen Engel sah; und dass Moses, der mit Gott von Angesicht zu Angesicht redete, sagt: Zeige mir deinen Weg, damit ich dich erkenne (Ex 33,13), was bedeutet, dass er sehnlichst wünschte, in der Helligkeit seiner eigenen unendlichen Natur den zu sehen, den er bisher nur in Bildern widergespiegelt gesehen hatte.