
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Johannesevangelium 1
1 Im Anfang war das Wort, / und das Wort war bei Gott, / und Gott war das Wort.
(xv. de Trin. c. 22. [xiii.]) Wie unser Wissen von dem Gottes verschieden ist, so ist auch unser Wort, das aus unserem Wissen entsteht, verschieden von jenem Wort Gottes, das aus dem Wesen des Vaters geboren ist; wir könnten sagen, aus dem Wissen des Vaters, der Weisheit des Vaters, oder richtiger, der Vater, der Wissen ist, der Vater, der Weisheit ist. (c. 23. (xiv.)) Das Wort Gottes also, der eingeborene Sohn des Vaters, ist in allem dem Vater gleich und ähnlich; es ist ganz, was der Vater ist, doch nicht der Vater; denn der eine ist der Sohn, der andere der Vater. Und dadurch kennt es alles, was der Vater kennt; doch sein Wissen ist vom Vater, ebenso wie sein Sein; denn Wissen und Sein sind bei ihm dasselbe; und so wie das Sein des Vaters nicht vom Sohn ist, so auch nicht sein Wissen. Daher zeugte der Vater das Wort, das ihm in allem gleich ist, als Ausdruck seiner selbst. Denn hätte es mehr oder weniger in seinem Wort gegeben als in ihm selbst, so hätte er sich nicht voll und ganz ausgedrückt. Was jedoch unser eigenes inneres Wort betrifft, das wir in irgendeinem Sinne als dem Wort ähnlich finden, so wollen wir nicht dagegen Einspruch erheben zu sehen, wie sehr es auch unähnlich ist. (cap. 25. (xv.)) Ein Wort ist eine Bildung unseres Geistes, die erst entstehen soll, aber noch nicht gemacht ist, und etwas in unserem Geist, das wir auf gleitende, kreisende Weise hin und her wälzen, während eines nach dem anderen entdeckt wird oder unseren Gedanken einfällt. Wenn dieses, was wir hin und her wälzen, den Gegenstand unseres Wissens erreicht hat und daraus gebildet wurde, wenn es die genaueste Ähnlichkeit mit ihm angenommen hat und der Begriff ganz der Sache entspricht; dann haben wir ein wahres Wort. Wer könnte nicht sehen, wie groß der Unterschied hier von jenem Wort Gottes ist, das in der Gestalt Gottes so existiert, dass es nicht zuerst gebildet werden sollte und danach gebildet wurde, noch jemals ungebildet sein kann, da es eine absolute Gestalt ist und dem, von dem es ist, absolut gleich. Daher wird hier bei der Rede vom Wort Gottes nichts über einen Gedanken in Gott gesagt; damit wir nicht meinen, es gebe etwas in Gott, das sich dreht, das zuerst Gestalt annehmen müsste, um ein Wort zu sein, und danach verlieren könnte und wieder in ungeformtem Zustand herumgetragen würde.