Auf meinen Posten will ich mich begeben, / auf meine Warte mich stellenund Ausschau halten und sehen, was er mir sagen wird, / was er auf meine Klagen erwidern wird.
Der Herr antwortete mir und sprach: / Schreib auf, was du siehst, schreib es deutlich auf Tafeln, / damit man es mühelos lesen kann.
Denn erst für eine bestimmte Zeit gilt, was du siehst; / es eilt der Erfüllung zu und wird nicht enttäuschen. Und wenn es sich verzögert, so warte darauf; / denn es kommt sicher und bleibt nicht aus.
Sieh, es vergeht, wer nicht rechtschaffen ist; / der Gerechte bleibt am Leben seiner Treue wegen.
Wahrhaftig, der Reichtum ist trügerisch. / Der Vermessene kommt nicht ans Ziel, wenn er auch seinen Rachen aufsperrt wie die Unterwelt / und unersättlich ist wie der Tod, wenn er auch alle Nationen zusammenrafft / und alle Völker bei sich versammelt.
Werden nun nicht alle ein Spottlied auf ihn anstimmen, / mit Rätselfragen auf ihn anspielen und sagen: Weh dem, der anhäuft, was nicht ihm gehört, / und mit gepfändeter Habe sich belastet! / Wie lange noch?
Werden nicht plötzlich deine Gläubiger vor dir stehen / und deine Peiniger erwachen? / Da wirst du ihnen zur Beute.
Weil du viele Völker ausgeplündert hast, / plündern dich jetzt alle übrigen Völker aus, wegen des vergossenen Menschenblutes, / wegen der Gewalttat, die du verübt hast / am Land, an der Stadt und an allen ihren Bewohnern.
Weh dem, der unredlichen Gewinn sucht für sein Haus, / um in der Höhe sein Nest zu bauen, / sich zu sichern vor drohendem Unheil!
Zur Schande für dein Haus hast du beschlossen, / viele Völker zu vernichten / und so gegen dich selbst gesündigt.
Ja, der Stein schreit in der Mauer, / und der Balken im Holzwerk gibt ihm Antwort.
Weh dem, der eine Stadt baut mit Blut / und eine Siedlung auf Unrecht gründet!
Kommt es nicht vom Herrn der Heerscharen, / dass die Völker nur arbeiten fürs Feuer / und die Nationen sich abmühen für nichts?
Ja, das Land wird erfüllt sein / von der Erkenntnis der Herrlichkeit des Herrn, / so wie das Meer von den Wassern, die es bedecken.
Weh dem, der seinem Nächsten zu trinken gibt / und Rauschmittel beimischt, / ihn trunken macht, um Blöße zu sehen!
Du hast dich an Schmach statt an Ehre gesättigt. / Trink nun auch du und zeig deine Vorhaut! Auch zu dir kommt nun der Becher in der Rechten des Herrn, / und Schimpf und Schande über deine Ehre.
Denn der Frevel am Libanon wird dich erdrücken / und die Vernichtung des Wildes dich zerschmettern, wegen der Blutschuld an den Menschen, / wegen der Gewalttat am Land, / an der Stadt und an all ihren Bewohnern.
Was nützt ein Götterbild, dass ein Bildhauer macht, / ein Gussbild und Lügenorakel? Wie kann ihm sein Hersteller vertrauen, / wo er doch nur stumme Götzen bildet?
Weh dem, der zum Holz sagt: Erwache!, / Steh auf! zum stummen Stein. Gibt er etwa Auskunft? / Gewiss, es ist gefasst in Gold und Silber, / aber keine Spur von Geist steckt in ihm.
Der Herr aber wohnt in seinem heiligen Tempel. / Vor ihm schweige die ganze Erde!