Krispin und sein (Zwillings-) Bruder Krispinian stammten dem Namen nach aus einem römischen Senatorengeschlecht. Eine Überlieferung hält fest, dass sie als Glaubensboten nach Gallien entsandt wurden und von Soissons aus das Evangelium Jesu Christi verkündigten. Um ihren Lebensunterhalt nach dem Vorbild des heiligen Apostels und Zeltmachers Paulus zu verdienen, fertigten sie nachts Schuhe, um sie anderntags zu verkaufen – den Armen überließen sie sie freilich umsonst.
Einer anderen Tradition nach flohen sie vor der Christenverfolgung durch Kaiser Diokletian nach Gallien, womit sie allerdings vom Regen in die Traufe, das heißt in die Fänge des Mitkaisers Maximian gerieten. Nachdem dieser die Brüder vergebens vom Glaubensabfall zu überzeugen versucht hatte, übergab er sie dem für seine Grausamkeit berüchtigten Statthalter Rictiovarus.
Dieser ließ ihnen Ahlen aus ihrer eigenen Schuhmacherwerkstatt unter die Fingernägel treiben und sie mit flüssigem Blei übergießen, wobei ein Spritzer davon Rictiovarus den Verlust eines Auges kostete, weswegen er die Brüder mit Mühlsteinen um den Hals in die Aisne werfen ließ. Als sie jedoch wie unbeschwert ans andere Ufer geschwommen waren, wurde Rictiovarus so rasend, dass er sich mit ihnen in einem brennenden Haus einsperrte – was nur sie überlebten.
Dieses Spektakels leid, ließ sie Maximian schließlich enthaupten. Darstellungen des Martyriums durch Abziehen der Haut ist vermutlich dem missverstandenen Schuhleder auf älteren Abbildungen geschuldet.
Eine ganz andere Lesart verlagert die Geschichte von Krispin und Krispinian nach Britannien, wo damals für eine kurze Zeit der Gegenkaiser Carausius herrschte. Die Brüder aus der römisch-britannischen Oberschicht hatten die Hauptstadt Canterbury nach dem Mord an ihrem kaiserkritischen Vater verlassen und eine Lehrstelle bei einem Schuhmacher in Faversham (Kent) angetreten, wo sie sich später endgültig niederließen. Ausschmückungen dieser Variante einschließlich Pilgerfahrt nach Rom und Soissons wurden im Theater des Elisabethanischen Zeitalters häufig dargeboten.
Darstellung
in der Schuhmacherwerkstatt, beim Martyrium mit Ahlen unter den Fingernägeln