Warum genügt „sola Scriptura“ als Regel des Glaubens nicht?

Weil „sola Scriptura“ keinen tragfähigen Grund liefert, wie man Inspiration und Kanon sicher erkennt. Ohne von Christus eingesetzte Auslegungsautorität bleibt nur subjektives Urteil. Die Kirche bewahrt und authentifiziert die Schrift.

Vgl. Mt 16,18–19; 1 Tim 3,15;

Augustinus: „Ich würde dem Evangelium nicht glauben, wenn mich nicht die Autorität der katholischen Kirche dazu bewegte.“

Der reformatorische Ansatz behauptet, allein die Schrift sei Regel des Glaubens und lege sich selbst aus. Doch:

  1. Wer sagt uns verlässlich, dass die Schrift inspiriert ist? Wenn der Grund „die Schrift sagt es über sich selbst“ lautet, ist das Zirkelschluss. Wenn man sich auf ein inneres Gefühl oder Ergriffenheit beruft, ist das subjektiv und würde in anderen Kulturen andere „heilige Bücher“ ebenso legitimieren.

  2. Wer legt verbindlich aus? Die Vielfalt privater Deutungen in den letzten Jahrhunderten zeigt, dass die Formel „Scriptura sui ipsius interpres“ praktisch keine Einheit erzeugt. Der selige John Henry Newman nannte es „unvernünftig“ anzunehmen, ein komplexes, vielstimmiges, teils dunkles Buch sei gegeben ohne einen „ständigen Ausleger“ – die Inspiration bürgt für Wahrheit des Textes, nicht automatisch für seine rechte Interpretation (vgl. 2 Petr 3,16).

  3. Schrift und Kirche gehören zusammen. Augustinus bekennt: „Ich würde dem Evangelium nicht glauben, wenn mich nicht die Autorität der katholischen Kirche dazu bewegte.“ Damit sagt er nicht, die Kirche sei „über“ der Schrift, sondern dass Christus selbst seiner Kirche die Autorität verliehen hat, die überlieferte Offenbarung (Schrift und Tradition) authentisch zu beglaubigen und auszulegen.

  4. Lehramtliche Bestätigung: Dei Verbum 10 (II. Vatikanum) lehrt: Die Auslegung der geoffenbarten Wahrheit ist der Kirche anvertraut, dem Bischofskollegium mit dem Papst; die Kirche dient dem Wort Gottes, sie steht nicht darüber.

Quellen:

Schrift (EÜ): 1 Tim 3,15; 2 Petr 1,20–21; 2 Petr 3,16; Joh 16,13; Mt 16,18–19; Apg 15.

Väter/Lehrer: Augustinus; Irenäus (Adversus haereses zur apostolischen Tradition); Hieronymus; Newman.

Lehramt: Dei Verbum 9–10; Vatikanum I (Unfehlbarkeit in definierten Fällen).