Priester sind nicht nötig – jeder Gläubige ist Priester

Wer behauptet, das Priestertum der Kirche sei überholt, weil „jeder Gläubige ein Priester sei“, verrät eine grobe Unkenntnis der Heiligen Schrift, der apostolischen Überlieferung und des göttlichen Willens, wie er seit den Tagen der Apostel durch die Kirche bewahrt wird.

Denn wahr ist: Durch die heilige Taufe wird der Christ hineingenommen in das königliche Priestertum, das geistige Opfer darbringt, Gebet, Lob und Zeugnis. Doch falsch und verderblich ist die Behauptung, dies genüge, um das eigentliche Priestertum, das Christus selbst eingesetzt hat, überflüssig zu machen. Die Schrift bezeugt keinen solchen Umsturz, sondern eine heilige Ordnung.

Als der Herr seinen Aposteln die Vollmacht gab, Sünden zu vergeben, sprach er nicht zu allen Jüngern, sondern zu den Zwölf: „Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben.“ Diese Worte waren keine bloße Erinnerung an das allgemeine Priestertum der Getauften, sondern die Übergabe einer priesterlichen Gewalt, die allein durch göttliche Weihe gespendet wird.

Als er beim letzten Abendmahl sprach: „Tut dies zu meinem Gedächtnis“, legte er das eucharistische Opfer nicht in die Hände aller, sondern vertraute es denen an, die von ihm selbst berufen und gesandt waren. Sie allein handelten fortan in seiner Person, wie Paulus bekennt: „So sind wir Gesandte an Christi statt, und Gott ist es, der durch uns mahnt.“

Die Kirche verstand dies von Anfang an. Schon der heilige Ignatius von Antiochien bezeugt: Wo der Bischof ist, dort sei die Gemeinde, und nur die Eucharistie, die unter dem Bischof oder einem von ihm Beauftragten gefeiert wird, ist gültig. Das Opfer der Eucharistie, das im Zentrum des Neuen Bundes steht, kann nicht willkürlich von jedem Gläubigen dargebracht werden, als sei es ein Eigentum, das man nach Belieben verwalten darf.

Wer also behauptet, jeder Christ sei in gleichem Maße Priester wie der von der Kirche geweihte Diener, zerstört die sakramentale Ordnung, die Christus selbst eingesetzt hat. Er schlägt dem Haupt ins Gesicht, das den Leib geordnet hat. Er reißt aus, was Gott gepflanzt hat. Er tut, wie Korach, Dathan und Abiram, die sagten: „Die ganze Gemeinde ist heilig, warum erhebt ihr euch über die Versammlung des Herrn?“ Doch der Herr hat nicht alle berufen, das Opfer darzubringen, sondern nur jene, die er durch Handauflegung und Gebet eingesetzt hat.

Thomas von Aquin unterscheidet klar zwischen dem geistigen Opfer, das jeder Gläubige bringt, und dem sakramentalen Opfer, das allein dem geweihten Priester zukommt. In der Messe handelt der Priester nicht aus sich selbst, sondern in persona Christi capitis. Christus selbst ist es, der durch ihn spricht: „Das ist mein Leib.“ Kein Laie kann diese Worte gültig vollziehen. Wer es dennoch versucht, handelt gegen das Haupt Christi und gegen die Braut, die Kirche.

Das Konzil von Trient bekräftigt mit apostolischer Autorität: Wer leugnet, dass das Priestertum des Neuen Bundes von Christus selbst eingesetzt ist, der sei ausgeschlossen. Auch das Zweite Vatikanische Konzil lehrt unmissverständlich, dass das allgemeine Priestertum sich vom Amtspriestertum nicht bloß im Grad, sondern dem Wesen nach unterscheidet.

Die katholische Kirche lehrt, was immer und überall geglaubt wurde: Gott ist ein Gott der Ordnung. Die sakramentale Weihe ist nicht menschliche Erfindung, sondern göttliche Stiftung. Wer sie leugnet, schneidet sich ab von der Fülle des Glaubens und stellt sich gegen das, was der Herr selbst getan hat.

Deshalb lehnen wir mit aller Klarheit jede Lehre ab, die das Priestertum verflacht, das Sakrament missachtet und den Altar entrechtet. Nicht jeder ist Priester Christi. Nur wer durch Handauflegung und Weihe empfangen hat, was Christus seiner Kirche gegeben hat, darf stehen am Altar und das Opfer vollziehen, das Himmel und Erde eint. Alles andere ist Anmaßung und führt in den Abfall.