Wenn ein Mensch von seinem Ehepartner verlassen wird, ist das eine der tiefsten Wunden. Die Ehe ist von Gott als Bund gestiftet, damit zwei in Treue vereint bleiben. Wenn dieser Bund gebrochen wird, geschieht Unrecht. Darum dürfen wir klar sagen: Es ist nicht gerecht, dass der Treue leidet, während der andere untreu wird.
Aber Gott selbst bleibt gerecht. Er verlässt den Verlassenen nicht, sondern nimmt sein Leid in seine Hand. Christus selbst wurde verlassen – von seinen Jüngern, die flohen, und von Petrus, der ihn verleugnete. Am Kreuz rief er: „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Mt 27,46). Darum kennt er den Schmerz des Verlassenwerdens nicht nur von außen, sondern von innen.
Hier führt uns die Schrift zu einer entscheidenden Wahrheit:
„Es ist besser, wenn es Gottes Wille ist, für gute Taten zu leiden als für böse.“ (1 Petr 3,17)
Beide leiden – der, der untreu handelt, und der, der treu bleibt. Doch der eine leidet wegen des Bösen, das er tut, während der andere leidet wegen des Guten, das er hält. Und dieses Leiden für das Gute ist fruchtbar, weil es Anteil hat am Leiden Christi.
Paulus sagt: „Wenn wir mit Christus leiden, werden wir auch mit ihm verherrlicht“ (Röm 8,17). Und wieder: „Euch ist die Gnade geschenkt, nicht nur an Christus zu glauben, sondern auch um seinetwillen zu leiden“ (Phil 1,29). So wird deutlich: Das Leid des Gerechten ist kein leeres Leid, sondern ein Kreuz, das Christus selbst mitträgt und das zur Herrlichkeit führt.
Die Väter bestätigen dies:
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Augustinus: Gott lässt Böses nur zu, um daraus Gutes hervorzubringen.
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Gregor der Große: Leid ist wie eine Feile, die die Seele formt.
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Thomas von Aquin: Das Leiden des Gerechten hat Anteil am Leiden Christi.
Darum bleibt das Verlassenwerden menschlich ein Unrecht. Aber geistlich gilt: Der Treue trägt nicht nur eine Wunde, er trägt ein Siegel Christi in sich. Er leidet, aber er leidet für das Gute – und dieses Leid wird von Gott gerecht gemacht und zur Krone verwandelt.
Seelsorglich heißt das: Wenn du verlassen wurdest, bist du nicht sinnlos getroffen. Dein Schmerz ist groß, doch er ist nicht leer. Du leidest nicht für eine Sünde, sondern weil du in Treue standest. Und darum bist du Christus ähnlich geworden, der selbst treu blieb, auch als er verlassen wurde. In Gottes Augen ist das ein Leid, das nicht untergeht, sondern Frucht bringt – für dich und für viele.