Einwände
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Es heißt, man dürfe sich kein Gottesbild machen. Also ist jede Bildverehrung Götzendienst. Vgl. Ex 20,4 5; Dtn 4,15 18.
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In der Bibel darf man nur vor Gott niederfallen. Wer vor einer Ikone kniet, betet sie wie Gott an.
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Gott ist unsichtbar. Ein Bild kann ihn nicht darstellen. Also ist jede Darstellung eine Verfälschung des Glaubens, besonders in Bezug auf Christus.
Sed Contra
Gott selbst befiehlt im Alten Bund Bilder in seiner heiligen Wohnung. Cherubim auf der Lade des Bundes. Bildwerk im Tempel. Die eherne Schlange zur Heilung. Vgl. Ex 25,18 22; 1 Kön 6,29; Num 21,8 9.
Im Neuen Bund bekennt die Kirche die Fleischwerdung des Wortes. Der Sohn ist Bild des unsichtbaren Gottes. Vgl. Joh 1,14; Kol 1,15; Hebr 1,3; 1 Joh 4,2.
Respondeo
Nach Thomas von Aquin beruht Religion auf einer Tugend, die Gott die ihm gebührende höchste Ehre erweist. Diese höchste Ehre heißt Latria und steht allein Gott zu. Vgl. STh II II q.81; q.84. Die Ehre, die man Geschöpfen wegen ihrer Beziehung zu Gott erweist, heißt Dulia. Maria erhält in einzigartiger Weise Hyperdulia, bleibt aber unendlich unterhalb der Anbetung Gottes. Vgl. STh II II q.103; III q.25 a.5.
Zu den Bildern lehrt Thomas zweierlei.
Erstens die Ratio imaginis. Ein Bild ist nicht das Ding selbst, sondern auf das Urbild hingeordnet. Darum gilt der einem Bild erwiesene Ehrenbeweis nicht dem Material, sondern der dargestellten Person. Vgl. STh III q.25 a.3. Wenn ein Christ vor einer Christusikone kniet, will er Christus verehren. Die Materie Holz oder Farbe empfängt keine Anbetung. Der Ehrenbeweis geht auf Christus, und Christus allein empfängt Anbetung. Bei Heiligenbildern geht die Ehre auf den Heiligen und ist Dulia, nicht Latria.
Zweitens die Begründung in der Inkarnation. Weil der Sohn Gottes wahrhaft Fleisch angenommen hat, ist es recht, sein menschliches Antlitz darzustellen. Wir behaupten nicht, die göttliche Natur abzubilden, sondern die menschliche Natur Christi, die wahrhaft sichtbar war. Eben das bekennt die Schrift. Vgl. Joh 1,14; 1 Joh 4,2. Darum sind Bilder ein legitimes, ja pädagogisch wirksames Mittel, das Heil zu vergegenwärtigen. Das Verbot in Ex 20 richtet sich gegen Götzen, nicht gegen jedes Bild überhaupt. Dies beweist die göttliche Anordnung von Bildern im Heiligtum. Vgl. Ex 25,18 22; 1 Kön 6,29; Num 21,8 9.
Die Vernunft bestätigt diese Unterscheidung. Ein und dieselbe äußere Geste kann Verschiedenes bedeuten, je nach innerer Absicht und Gegenstand. Die Bibel kennt Niederfallen als Anbetung Gottes, aber auch als Ehrbezeugung gegenüber Königen und Propheten. Jakob verneigt sich vor Esau. Nathan verneigt sich vor David. Vgl. Gen 33,3; 1 Kön 1,23. Petrus verbietet Cornelius, ihn anzubeten, und der Engel verbietet Johannes dieselbe Verwechslung. Vgl. Apg 10,25 26; Offb 19,10; 22,8 9. Daraus folgt. Nicht jede Kniebeuge ist Latria. Entscheidend ist, wem die höchste Ehre innerlich zugeordnet wird.
Biblische Fakten sprechen also gegen den Vorwurf.
Erstens. Gott verbietet Götzenbilder, nicht jedes Bild. Der Kontext nennt Bilder, denen man dient und die man als Götter verehrt. Vgl. Ex 20,4 5; Weish 15. Dieselbe Tora gebietet zugleich kultische Bilder. Vgl. Ex 25,18 22. Widerspruch ist ausgeschlossen. Folglich ist der Sinn des Verbotes die Abwehr der Anbetung von Geschöpfen.
Zweitens. Gott bedient sich eines Bildes zur Heilung Israels. Die eherne Schlange wird angeschaut und wirkt Heilung kraft göttlichen Willens. Später wird sie beseitigt, als sie missbräuchlich zum Götzen geworden war. Vgl. Num 21,8 9; 2 Kön 18,4. Das zeigt. Bilder sind gut, Götzendienst ist böse.
Drittens. Der Neue Bund vollendet die Bildfrage in Christus. Das unsichtbare Wort hat ein sichtbares Angesicht. Wer das Angesicht Christi betrachtet, richtet sich auf Gott. Vgl. Kol 1,15; Hebr 1,3; Joh 14,9.
Viertens. Die Gemeinschaft der Heiligen ist biblisch bezeugt. Wir stehen in ihrer Nähe und dürfen sie ehren, weil Gott in ihnen Großes getan hat. Maria wird von allen Geschlechtern selig gepriesen. Vgl. Hebr 12,1; Lk 1,48. Religiöse Ehrerweisung der Heiligen bleibt Dulia, niemals Latria. Ihre Bilder erhalten relative Ehre, die auf die Person verweist.
Antworten auf die Einwände
Zum ersten. Ex 20 verbietet, Bilder als Götter zu machen und ihnen zu dienen. Da Gott im selben Pentateuch Bilder für seinen Kult befiehlt, ist ein generelles Bildverbot ausgeschlossen. Das Verbot richtet sich gegen falsche Anbetung, nicht gegen didaktische und kultische Zeichen. Vgl. Ex 20,4 5; Ex 25,18 22.
Zum zweiten. Die Schrift unterscheidet Verehrungsgesten. Dieselbe äußere Geste kann Anbetung oder Ehrerbietung bedeuten. Niederfallen vor Gott ist Latria. Niederfallen vor Königen ist civilis honor. Vgl. Gen 33,3; 1 Kön 1,23. Petrus und der Engel weisen Anbetung an Geschöpfen zurück. Vgl. Apg 10,25 26; Offb 19,10. Die katholische Praxis folgt genau dieser Unterscheidung. Vor einer Christusikone gilt die höchste Ehre Christus. Vor einer Heiligenikone gilt Ehre den Freunden Gottes, nicht Anbetung.
Zum dritten. Wir behaupten nicht, die göttliche Wesenheit abzubilden. Wir stellen dar, was Gott offenbart hat. Der Sohn ist Mensch geworden und daher darstellbar in seiner angenommenen Natur. Darum ist Ikone theologisch erlaubt und sinnvoll. Vgl. Joh 1,14; 1 Joh 4,2; Hebr 1,3.
Zusammenfassung. Anbetung heißt Latria und gebührt nur Gott. Das bezeugt die Vernunft und die Schrift. Bilder sind von Gott erlaubt und dienen als Zeichen. Die dem Bild erwiesene Ehre geht auf das Urbild. Christusbilder stehen im Licht der Inkarnation. Heiligenbilder empfangen Dulia, keine Anbetung.
Wer sagt, wir verehrten Ikonen wie Gott, verwechselt Anbetung und Verehrung. Thomas von Aquin: Die Ehre des Bildes bezieht sich auf das Urbild. Vgl. STh III q.25 a.3.