Muss man Kinder überhaupt taufen? Sie können doch noch nicht glauben, und Jesus sagt doch: „Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet.“ Ist es nicht besser, zu warten, bis sie selbst glauben können?

Die Kirche hat von Anfang an gelehrt und praktiziert, dass auch Kinder getauft werden sollen. Die Heilige Schrift, die Überlieferung der Väter und die klare Theologie des heiligen Thomas von Aquin geben dafür gewichtige Gründe.

1. Die Taufe ist notwendig zum Heil.

Jesus selbst sagt: „Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes eingehen“ (Joh 3,5). Diese Notwendigkeit gilt für alle Menschen, auch für die Kleinsten, weil auch sie die Erbsünde in sich tragen. Thomas von Aquin fasst es so:

„Auch Kinder haben die Erbsünde, die ihnen durch die Taufe genommen wird.“ (Summa Theologiae III, q.68, a.9)

2. Die Kirche glaubt für das Kind.

Zwar kann ein Baby noch keinen persönlichen Glaubensakt setzen, aber die Kirche tritt stellvertretend für es ein. Die Paten und die Gemeinde bekennen bei der Taufe den Glauben der Kirche, in den das Kind hineingenommen wird. Thomas sagt dazu:

„Die Kinder werden nicht aufgrund ihres eigenen Aktes des Glaubens getauft, sondern aufgrund des Glaubens der Kirche, die sie zum Sakrament bringt.“ (STh III, q.68, a.9 ad 3)

3. Die Wirkung der Taufe ist objektiv: ex opere operato.

Die Babytaufe ist kein bloßer subjektiver Empfang, der von Gefühlen oder Bewusstsein des Empfängers abhängt. Die Taufe wirkt ex opere operato, das heißt: kraft des vollzogenen Werkes selbst, weil Christus selbst in ihr handelt.

Die Gnade der Taufe ist daher objektiv, unabhängig vom subjektiven psychologischen Zustand des Empfängers. Auch wenn ein Kind noch kein Bewusstsein dafür hat, tilgt die Taufe wirklich die Erbsünde und schenkt ihm die heiligmachende Gnade.

4. Das neue Leben in Christus ist ebenfalls objektiv.

Neugeboren zu sein aus Wasser und Geist ist kein inneres Gefühl oder eine psychologische Erkenntnis, sondern eine reale, objektive Wirkung der Taufe. Durch die Taufe wird der Empfänger wirklich neugeboren als Kind Gottes, auch wenn er dies in seiner frühen Lebensphase noch nicht versteht oder spürt. Die Kirche sagt klar:

„Die Taufe verleiht die Rechtfertigung, die Schuld der Erbsünde wird getilgt, und der Mensch wird wiedergeboren als Kind Gottes.“ (vgl. Konzil von Trient, Sess. 7, Kan. 5)

5. Die frühe Kirche war sich darüber einig.

Origenes bezeugt: „Die Kirche hat von den Aposteln die Überlieferung empfangen, auch die kleinen Kinder zu taufen.“

Cyprian von Karthago schrieb nach einer Synode im Jahr 252: „Niemand darf von der Taufe und der Gnade Gottes ausgeschlossen werden, auch nicht das neugeborene Kind.“

Der heilige Augustinus bestätigt: „Die ganze Kirche hält die Kindertaufe; sie ist apostolische Überlieferung.“

6. Was ist mit Tertullian?

Manche Gegner zitieren Tertullian, der meinte, die Taufe besser aufzuschieben. Aber Tertullian war damals schon auf einem rigoristischen Irrweg und wurde später Häretiker. Seine persönliche Meinung hat die Kirche nie übernommen, sondern ihr entschieden widersprochen.

Zusammenfassung:

Die Kindertaufe ist eine objektive Handlung Christi durch die Kirche. Sie wirkt ex opere operato: unabhängig von subjektiven Gefühlen, unabhängig von psychologischer Reife. Sie tilgt die Erbsünde und macht das Kind wirklich, objektiv und unauslöschlich zum Kind Gottes. Neugeboren zu sein in Christus ist kein bloßes inneres Gefühl, sondern eine wirkliche neue Schöpfung, die allein durch die Taufe geschieht.

Darum gilt:

„Niemand darf von der Taufe und der Gnade Gottes ausgeschlossen werden, auch nicht das neugeborene Kind.“ (Cyprian, Brief 64)

Bibelstellen:

Notwendigkeit der Taufe: Joh 3,5

Verheißung für Kinder: Apg 2,38–39

Haus-Taufen (inkl. Kinder): Apg 16,15; Apg 16,31–33; 1 Kor 1,16

Taufe als neues Bundeszeichen wie Beschneidung: Kol 2,11–12

Jesu Liebe zu Kindern: Mk 10,14

Missionsbefehl für alle: Mt 28,19