Ich fühle mich so weit von Gott entfernt, dass ich Angst habe, verlassen zu werden

Die Angst, von Gott verlassen zu sein, ist eine gute Angst. Ich erkläre kurz, weshalb und warum.

Zum Ersten:
Der Mensch, der sich von Gott verlassen fühlt, erkennt, dass es ein höchstes Gut gibt, und das ist richtig. Das Verlassen-Sein vom höchsten Gut ist beängstigend, weil dieses Gut unersetzbar ist. Dieser Gedanke, dieses Gefühl ist schrecklich, aber gut.

Zum Zweiten:
Gott, der das absolute und vollkommene Gute ist, hat uns nicht geschaffen, damit wir verloren gehen oder ohne ihn leben oder von ihm abgelehnt werden. Ganz im Gegenteil: Er weiß schon, bevor du es weißt, dass du seine Hilfe brauchst. In der Anerkennung, dass du die Hilfe Gottes brauchst, freut sich Gott, dir zu helfen. Du bist sein Kind, er ist dein Vater. Ein Vater lässt sein Kind nicht irren und nicht wie eine Waise zurück. Der Herr ist nahe den gebrochenen Herzen und den Leidenden. Der Gedanke, man sei verlassen, ist gut, aber auch verzweifelnd, wenn man daran glaubt. Der Herr verlässt keines seiner Kinder. Im Gegenteil: Er will, dass alle gerettet werden. Deswegen hat er seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, gesandt, damit die Welt gerettet wird. Du darfst und sollst wissen, dass Gott dir nahe steht, wenn du ihn anrufst. Gib all dein Leid Gott. Nein, du bist nicht verlassen. Der Herr, dein Gott, ist immer für dich da, unabhängig davon, ob du es fühlst oder nicht. Das sollst du wissen.

Zum Dritten:
Die menschliche Schwäche in schweren Situationen ist real und schwierig. Doch du darfst wissen, dass nichts auf dieser Welt unüberwindbar bleibt. Es ist schwer, wenn man Gott nicht hat, doch wo der Mensch nicht kann, da hilft der Herr. Alles, was du kannst, überlässt der Herr dir; aber dort, wo du nicht kannst, hilft dir der Herr, denn ohne ihn wäre es unmöglich. Das sollst du wissen und glauben.

Zum Abschluss:
Psalm 94,17–19:
Wäre nicht der Herr meine Hilfe,
bald würde meine Seele wohnen im Schweigen.
Wenn ich sage: Mein Fuß gleitet aus,
dann stützt mich, Herr, deine Huld.
Mehren sich die Sorgen in meinem Innern,
so erquicken deine Tröstungen meine Seele.